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Hertha Feiner-Asmus - Denk-Mal gegen Ausgrenzung

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Hörbare Stolpersteine
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Hertha Feiner-Asmus - Denk-Mal gegen Ausgrenzung
Hertha Feiner-Asmus - Denk-Mal gegen Ausgrenzung

Diese Station wurde im Rahmen eines Projektes in Kooperation mit der Stadtteilschule Winterhude im Mai 2021 hinzugefügt. Die Sprecherinnen sind Schülerinnen der Schule.
Vor dem Haupteingang der Schule ist das Symbol der Erinnerung ein Bahnwaggon, der an die leidvolle Geschichte der beiden Lehrerinnen Hertha Feiner-Asmus und Julia Cohn erinnert, die in den 1930er Jahren an der damaligen Schule unterrichteten. Gegen beide wurde von den Nationalsozialisten ein Berufsverbot verhängt, weil sie Jüdinnen waren. Die Lehrerinnen erfuhren damals keine Solidarität vom Kollegium und litten schwer an den Folgen der Ausgrenzung, auch im persönlichen Umfeld. Beide kamen nach verschiedenen persönlichen Leidenswegen in der Folge tragisch ums Leben.

Hertha Feiner-Asmus,

geb. 8.5.1896 in Hamburg, gestorben wahrscheinlich am 12.3.1943, durch Suizid auf dem Transport nach Auschwitz

Hertha Feiner war die Tochter des bekannten Pädagogen Josef Feiner und Schwester von Hermann Feiner. Sie studierte Pädagogik und erhielt ihre erste Anstellung 1923 in einem Internat in Bad Harzburg. 1924 kehrte sie nach Hamburg zurück und arbeitete hier an verschiedenen Schulen als Lehrerin, unter anderem ab 1930 an der neu eröffneten Reformschule Meerweinstraße im Winterhuder Ortsteil Jarrestadt.
1924 heiratete sie den nicht-jüdischen Verleger Johannes Asmus. Die beiden Töchter Inge und Marion kamen 1925 und 1927 zur Welt, Inge wurde 1931 an der Schule Meerweinstraße eingeschult. Die Ehe war nicht glücklich und wurde Anfang 1933 geschieden, die Kinder blieben zunächst bei der Mutter. Da sie jüdischer Herkunft war, wurde Hertha Feiner Anfang April 1933 aus dem Hamburger Schuldienst entlassen, auch ihre Tochter Inge wurde der Schule verwiesen. Bald darauf arbeitete Hertha Feiner als Hilfslehrerin an der jüdischen Schule Johnsallee. Trotz der widrigen Lebensumstände versuchte sie ihren Töchtern ein unbeschwertes Aufwachsen zu sichern. Und strahlte ihnen gegenüber Lebensmut und Optimismus aus.
Im April 1935 bot sich ihr die Möglichkeit einer Anstellung an einer jüdischen Schule in Berlin, und sie wagte gemeinsam mit ihren Kinder den Umzug. Bis Mitte 1938 konnte sie an der „Jüdischen Waldschule“ in Grunewald tätig sein, danach wechselte sie an eine Schule in der Nähe des jüdischen Gemeindezentrums in der Fasanenstraße. Sie versuchte weiter, mit ihren Töchtern ein halbwegs normales Leben zu führen und die wachsenden Repressionen der Nationalsozialisten von ihrer Welt fernzuhalten. Der Novemberpogrom 1938 veranlasste sie allerdings, nach einer Möglichkeit zu suchen, ihre Kinder außer Landes zu bringen. Durch die Vermittlung des Vaters konnten die Mädchen ab Anfang 1939 auf ein Internat in der Schweiz wechseln. Im Sommer 1939 besuchten sie noch einmal ihre Mutter in Berlin, danach waren nur noch Briefkontakte und gelegentliche Telefonate möglich. Dennoch nahm sie aus der Ferne lebhaften Anteil am Wohlergehen der Töchter, erkundigte sich, wie es ihnen auf der Schule erging und versuchte, ihnen Rat und Hilfe mit auf den Lebensweg zu geben.
Die Lebensumstände von Hertha Feiner in Berlin wurden weiter erschwert, insbesondere seit dem Kriegsbeginn im September 1939: Über jüdische Bürgerinnen und Bürger wurde eine abendliche und nächtliche Ausgangssperre verhängt, und sie durften nur noch in bestimmten Läden einkaufen. Die jüdische Gemeinde konnte Hertha Feiner ihr knappes Gehalt nicht immer pünktlich zahlen, sodass sie Untermieter in ihre Wohnung aufnahm. Bei alldem genoss sie noch das „Privileg“, ihre Wohnung behalten zu dürfen, da ihre „halbjüdischen“ Kinder weiterhin zu ihrem Haushalt zählten. Seit dem Frühjahr 1940 begann sie, ihre Auswanderung in die USA vorzubereiten – zu spät, um noch vor dem im Oktober 1941 verhängten Auswanderungsverbot Deutschland verlassen zu können.
Das jüdische Schulwesen wurde zu Beginn der 1940er Jahre stark eingeschränkt, sodass zahlreiche Lehrer und Lehrerinnen entlassen werden mussten. Im November 1941 traf dies auch Hertha Feiner, die daraufhin zur Arbeit in der jüdischen Gemeinde zwangsverpflichtet wurde. Dort musste sie bei den Administrativen Vorbereitungen der Deportationen mitarbeiten. Seit dem Sommer 1942 versuchte sie zu erreichen, dass zumindest die jüngere ihrer Töchter zu ihr zurückkehrte, da sie sich Schutz vor der Deportation durch das „halbjüdische“ Kinder erhoffte. Gleichzeitig erkannte sie, dass ihr Ex-Mann mit Hilfe von Harald Baruschke, dem Internatsleiter in der Schweiz, versuchte, ihren Briefkontakt zu den Töchtern zu behindern oder gar zu unterbinden. In einem geradezu verzweifelten Brief, den sie ihren Töchtern auf Umwegen zukommen ließ, schrieb sie: „Wenn ihr mich wiedersehen wollt, muss eine von Euch zu mir kommen und zwar so schnell wie möglich. Dringt in Harald (Baruschke), daß er Euch ein Visum besorgt, oder einer von Euch; und es gibt Visen, besonders für Euch, da Vati Soldat ist, er muss nur wollen, denn meinen Erkundigungen nach und nach meiner Meinung liegt es an seinem Wollen. … wenn es uns jetzt nicht gelingt, uns wiederzusehen, so ist keinerlei Hoffnung für später. Nur die Tat beweist die Liebe!“ Anfang 1943 unterbanden der Vater und seine zweite Frau Hermine Asmus jeden Briefkontakt zwischen Hertha Feiner und ihren Kindern, ihre letzten Briefe aus Berlin wurden den Mädchen vorenthalten.
Am 10. März 1943 wurde Hertha Feiner verhaftet und am 12. März 1943 auf den Transport nach Auschwitz geschickt. Während der Zugfahrt nahm sie sich das Leben mit einer Zyankalikapsel, die ihr ein befreundeter Apotheker beschafft hatte.
Seit 1992 ist ihr in der Jarrestadt der „Hertha-Feiner-Asmus-Stieg“ gewidmet. An der Schule Meerweinstraße erinnern eine Gedenktafel und das „Denk-Mal gegen Ausgrenzung“ an Hertha Feiner und ihre ebenfalls ermordete Kollegin Julia Cohn.
(Textauswahl gelesen von: Charlotta, Lisa, Sarah)

© Ulrike Sparr
Quellen: Rita Bake, Wer stekct dahinder? Hamburgs Straßen, die nach Frauen benannt sind. 4. aktual. Aufl., Hamburg 2005; Hertha Feiner, Vor der Deportation, Briefe an die Töchter Januar 1939-Dezember 1942, Frankfurt 1993; Hertha Feiner-Asmus (Dokumentation einiger Briefe, zusammengestellt von Schülerinnen und Schülern der Schule Meerweinstraße, ca. 1990); Auskünfte von Frau Dr. Inge Flehmig, August 2008. (S.80ff)

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