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Ein Stück Exotik in der Heimat: Der Alte Botanische Garten

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Ein Stück Exotik in der Heimat: Der Alte Botanische Garten

Quellen

Wegweiser durch den Königlichen Botanischen Garten

1852 beschrieb der Münchner Botaniker Carl Friedrich Philipp von Martius die Pflanzenpracht im Botanischen Garten:

„[M]ancherlei Pfeffergesträuche, der Caffeebaum, das Zuckerrohr und die Baumwollenstaude stehen neben den milchenden Plumerien, […] neben Drachenbäumen und dem diesen verwandten Ti-Baum (Cordyline Escholtziana) Polynesiens. Die südafricanischen Strelitzien erfreuen nicht selten durch ihre feuerfarbigen und blauen Blumen […]. Zimmtbäume, Ingwer-Pflanzen und andere Würzschilfe (Scitamineae) erinnern an die edlen Gewürze der Aequatorialgegenden. Der heilkräftige Guajac-Baum der Antillen, die fiebervertreibende Cinchona aus Peru, eine Art des Brasilienholzes (Caesalpinia), der Strauch, dessen Wurzelstock ehemals als Radix Chinae häufig in der Medicin angewendet wurde, und die ihm naheverwandte brasilianische Salsaparilha (Herreria) mögen als Repräsentanten von hier gepflegten Arznei-Gewächsen genannt werden. […]
Die Dattelpalme (Phoenix dactylifera), wahrscheinlich ein Kind Arabiens und von dem Araber, der ihr 365 Tugenden zuschreibt, durch die regenlose Zone Nordafrica’s verbreitet, der wilde Dattelbaum Ostindiens (Phoenix sylvestris), welcher Wein und Zucker liefert, und andere Arten dieser Gattung, die südeuropäische Zwergpalme (Chamaerops humilis), […] mehrere Arten von Cocos, Diplothemium und Bactris aus Brasilien, die Brennpalme (Caryota) und die Wallichia Ostindiens, die Oelpalme (Elaeis), aus deren Früchten in Guinea das nach Veilchen riechende gelbe Palmöl bereitet wird, die schlanken Areca und Oreodoxa der Mascarenen und Antillen, die rohrartigen Chamaedoreen Mexico’s, die americanische Sabal mit grossen Fächerblättern u. s. w. stehen hier auf engem Raum zusammengedrängt.“

(Martius, Carl Friedrich Philipp von. Wegweiser für die Besucher des K. Botanischen Gartens in München, nebst einem Verzeichnisse der in demselben vorhandenen Pflanzengattungen. München 1852: S. 40–42.)

Literaturhinweise

Brockway, Lucile H. Science and Colonial Expansion: The Role of the British Royal Botanical Gardens. New Haven / London 2002.

Glaisyer, Natasha. „Networking: Trade and Exchange in the Eighteenth-Century British Empire.“ In: The Historical Journal 47/2 (2004): 451–476.

Merxmüller, Hermann. Geschichte des Botanischen Gartens und der Botanischen Staatssammlung: Sonderdruck aus dem Jahresbericht 1976 der Generaldirektion der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns. München 1977.

Palladino, Paolo und Michael Worboys. „Science and Imperialism.“ In: Isis 84/1 (1993): 91–102.

Straten, Adelheid. „Der Alte Botanische Garten in München / The Old Botanical Garden in Munich.“ In: Englera 30 (2013): 41–51.

Weblinks

Baumspaziergang

Landeshauptstadt München Baureferat (Hrsg.). Baumspaziergang im Alten Botanischen Garten. April 2013.

https://www.muenchen.de/rathaus/dam/jcr:23dbcacf-e402-49f5-a2eb-3064a00c9c44/Baumspaziergang_AlterBotGarten.pdf

Verbindungen zu anderen Stationen

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Stationstext zum Nachlesen

Der Alte Botanische Garten Münchens ist ein bisschen in Vergessenheit geraten, seit 1914 der Neue Botanische Garten in Nymphenburg angelegt wurde. Das Grundstück des ursprünglichen Botanischen Gartens befand sich anfangs außerhalb der Stadtgrenzen. Heute prägen Graffitis, Scherben und ein zweifelhafter Ruf das Bild der Grünfläche mitten im Bahnhofsviertel. Kaum etwas erinnert mehr an die exotische Pflanzenpracht.

Angelegt wurde der Botanische Garten 1812 unter dem bayerischen König Maximilian I. Joseph nach einem Entwurf von Friedrich Ludwig von Sckell.

Die Inschrift am Eingangsportal erinnert noch an den anfänglichen Auftrag: Zu Deutsch: „Der Blumen zerstreute Gattungen der Bildnerin Erde // Auf Geheiß des Königs Maximilian Joseph vereinigt 1812.“ Blumen und andere Pflanzen aus der ganzen Welt sollten im Garten zusammengetragen werden. Aber nicht nur Pflanzensamen kursierten zu dieser Zeit um die Welt. Die Idee des botanischen Gartens selbst verbreitete sich in ganz Europa und den europäischen Kolonien.


Die Anfänge der botanischen Gärten reichen ins 16. Jahrhundert zurück. Die Gärten waren damals als Hortus Medicus meist an die medizinische Fakultät angegliedert. Mit dem kolonialen Ausgreifen Europas wurden botanische Gärten zu Beginn des 19. Jahrhunderts zunehmend zum Ort des Sammelns und Erforschens exotischer Pflanzen, zum Lern- und Erholungsort für die städtische Bevölkerung und zum nationalen beziehungsweise imperialen Prestigeobjekt.

In botanischen Gärten sammelten, bewahrten und erforschten die Kolonialmächte ökonomisch oder medizinisch wertvolle Pflanzen aus anderen Erdteilen und Klimazonen, oft aus den von ihnen beherrschenden Kolonien. Allein der Münchner Botaniker von Martius brachte von seiner Brasilien-Expedition im Auftrag des Königs 6500 Pflanzenarten mit nach München. Von Sckell, späterer Architekt des Botanischen Gartens in München, hatte selbst wiederum Reisen nach Frankreich und England unternommen, um vor Ort die führenden Gartenanlagen der beiden großen Kolonialmächte zu studieren.

Der botanische Garten im englischen Kew bei London - Kew Gardens - wurde schließlich zum Vorbild für den Botanischen Garten in Nymphenburg.


Während der Botanische Garten in Nymphenburg noch heute seinem ursprünglichen Zweck dient, wurde der Alte Botanische Garten 1937 zu einem Park umgestaltet. Die Aufrechterhaltung einer botanischen Sammlung wurde hier aufgrund der Lage schwierig. Im Jahr 1839 wurde in unmittelbarer Nähe der Hauptbahnhof eröffnet und bereits im selben Jahr ließen sich an vielen Pflanzen durch die Kohleverbrennung der Lokomotiven verursachte Schäden feststellen. Außerdem war die Stadt inzwischen um den Garten herum gewachsen. Für das steigende Interesse an der wissenschaftlichen Botanik war er schlicht zu klein. Im Alten Botanischen Garten erinnern heute nur noch einzelne exotische Bäume aus dem 20. Jahrhundert – wie etwa der Taschentuchbaum – an seine ursprüngliche Funktion.
Der Botanische Garten in Nymphenburg ist aber weiterhin ein Ort des Sammelns und Forschens - und gleichzeitig ein beliebtes Ausflugsziel.


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